Anspruch auf Ausgleichszahlung bei Flügen mit Verspätung

Fluggesellschaften haben es immer schwerer, sich bei verspäteten Flügen vor Ausgleichszahlungen zu drücken. Das belegen diverse aktuelle Gerichtsurteile.

21.5.2013 (verpd) Verpasst ein Fluggast einen Anschlussflug wegen eines verspäteten Starts des Zubringerflugs, hat er auch dann einen Anspruch auf eine Entschädigung nach der Fluggastrechte-Verordnung, wenn die Verspätung des ersten Fliegers weniger als zwei Stunden beträgt. Das geht aus einem jüngst veröffentlichten Urteil des Bundesgerichtshofs hervor (Az.: X ZR 127/11).

Eine Frau hatte einen Zubringerflug von Berlin Tegel nach Madrid gebucht, um von dort aus nach San José in Costa Rica weiterzufliegen. Der Start in Berlin verzögerte sich jedoch um eineinhalb Stunden. Die Flugreisende kam zwar noch vor dem Start des Anschlussfliegers in Madrid an. Doch weil der Einsteigevorgang bereits beendet war, wurde sie nicht mehr abgefertigt und erst am folgenden Tag nach San José befördert.

Mit dem Argument, dass die Fluggesellschaft des Zubringerfluges für die verspätete Ankunft am Zielort verantwortlich sei, verlangte die Passagierin für sich und ihren Mitreisenden eine Ausgleichszahlung in Höhe von je 600 Euro gemäß der EU Fluggastrechte-Verordnung.

Eine Frage der Ursache

Damit hatte sie in den Vorinstanzen keinen Erfolg. Sowohl das Amts- als das Landgericht schlossen sich der Argumentation der Fluggesellschaft an, dass sie nach den Bestimmungen der vorgenannten Verordnung nur dann zu einer Ausgleichszahlung verpflichtet gewesen wäre, wenn die Verspätung in Madrid mindestens zwei Stunden betragen hätte.

Doch dem wollten die Richter des Bundesgerichtshofs nicht folgen. Sie gaben der Klage auf Zahlung von Ausgleichsansprüchen in vollem Umfang statt. Nach Ansicht des Gerichts kommt es nämlich nicht darauf an, ob ein Teilflug mindestens zwei Stunden Verspätung hat. Entscheidend ist vielmehr die Verspätung am Zielflughafen. Die war in dem entschiedenen Fall jedoch eindeutig auf den verspäteten Zubringerflug zurückzuführen. Sie lag somit im Verantwortungsbereich der beklagten Fluggesellschaft.

Verspätung auf Teilstrecken einer Reise

Neben diesem Urteil trägt auch eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Stärkung der Rechte von Fluggästen bei. In einem Urteil (Az.: C-11/11) entschied das EuGH, dass einem Fluggast wegen einer mindestens dreistündigen Verspätung am Zielort selbst dann eine Ausgleichszahlung zusteht, wenn er mehrere Teilstrecken bis zum Ziel zurücklegen muss. Denn allein die Ankunftszeit am Zielort sei maßgeblich.

Laut einem jüngst getroffenen Urteil des Landgerichts Darmstadt (Az.: 7 S 250/11) steht einem Passagier im Übrigen auch eine Ausgleichszahlung zu, wenn ein Flugzeug wegen der plötzlichen Erkrankung eines Crew-Mitgliedes nur mit einer Verspätung von mehr als drei Stunden starten kann.

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