Burn-out – nicht nur ein Thema für Betriebe

Mann raufft sich die HaareBurn-out – nicht nur ein Thema für Betriebe

Eine vor Kurzem veröffentlichte Studie zeigt, wie Führungskräfte die Burn-out-Gefährdung ihres Personals bewerten. Statistische Zahlen belegen, dass es für Unternehmen, aber auch für den Einzelnen wichtig ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

28.10.2013 (verpd) Mehr als jede zweite Führungskraft in einem Großbetrieb berichtet in einer aktuellen Umfrage von Burn-out-Fällen in ihrem Unternehmen. Dennoch glauben fast drei Viertel der Personal-Verantwortlichen, dass die aktuelle Burn-out-Gefährdung der eigenen Mitarbeiter gering ist. Ein weiteres Studienergebnis ist, dass 60 Prozent der Unternehmen in Deutschland derzeit keine Maßnahmen ergreifen, um eine psychische Überbelastung der Mitarbeiter zu verhindern.

Burn-out ist ein Thema, das laut Hernstein Institut für Management und Leadership „in den Unternehmen angekommen“ ist. Zu diesem Schluss gelangt das Institut aufgrund der Ergebnisse des „Hernstein Management Reports Burnout“. Die Marktforscher der OGM Gesellschaft für Marketing Ges.m.b.H. haben hierfür jeweils 100 Führungskräfte von Betrieben in Österreich, Deutschland und der Schweiz mit 100 oder mehr Beschäftigten befragt.

Die Burn-out-Gefährdung der eigenen Mitarbeiter zum momentanen Zeitpunkt stuft die große Mehrheit der Führungskräfte in Deutschland als geringer ein: 54 Prozent beurteilen sie als weniger hoch, neun Prozent als gar nicht hoch. Nur 25 Prozent der Befragten in Deutschland bewerteten die Burn-out-Gefährdung als eher hoch und sechs Prozent als sehr hoch. Allerdings berichteten 58 Prozent der hierzulande Befragten von konkreten Burn-out-Fällen in ihren Unternehmen.

Psychische Probleme sind Hauptursache für Frühverrentungen

Neben den tatsächlichen Erfahrungen der Führungskräfte zeigen auch die Zahlen der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung, dass die positive Einschätzung der Personal-Verantwortlichen nicht immer der Realität entspricht. So stellten 2011 psychisch bedingte Erkrankungen mit 14,1 Prozent aller Krankheitsfälle die drittgrößte Krankheitsgruppe in Deutschland dar, wie aus dem BKK Gesundheitsreport 2012, herausgegeben vom BKK Bundesverband, zu entnehmen ist.

Eine massive stressbedingte psychische Erkrankung (ein sogenanntes Burn-out-Syndrom) kann sogar bis zum vollständigen Verlust der Erwerbsfähigkeit führen.

Die Zahl der krankheitsbedingten Frühverrentungen wegen psychischer Erkrankungen stieg nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung von etwas über 15 Prozent 1993 auf 41 Prozent im Jahre 2011. Psychische Probleme sind damit die Hauptursache, warum Erwerbstätigen eine Erwerbsminderungsrente in Deutschland – im Durchschnitt waren die Betroffenen 48,3 Jahre alt –zugesprochen wird.

Gestaltungsspielraum und Produktivität die wichtigsten Kriterien

Das Hernstein Institut ermittelte in seiner Studie auch, welche Kriterien Führungskräfte heranziehen, um zu messen, ob sie ein „gesundes Team“ leiten. Für jeden zweiten deutschen Chef ist – im Ländervergleich sticht das besonders hervor – ein hoher Gestaltungsspielraum (52 Prozent) ein verlässlicher Indikator. Praktisch gleichauf liegt das Kriterium „hohe Produktivität“ (51 Prozent).

Eine geringe Zahl an Krankheitstagen (37 Prozent) und Konfliktkompetenz (34 Prozent) gehören zu den in Deutschland weniger häufig genannten Kriterien. Das Wissen der Mitarbeiter um den Sinn der Tätigkeit und eine ausgeprägte Konfliktkompetenz sind in allen drei Ländern für mehr als ein Drittel ein wesentliches Merkmal.

Ist das Team „gesund“? Welche Kriterien Führungskräfte in Großbetrieben zur Messung anlegen

Indikator Deutschland Österreich Schweiz
Hoher Gestaltungsspielraum 52 % 22 % 30 %
Hohe Produktivität 51 % 42 % 43 %
Gute Kommunikationskultur 43 % 59 % 55 %
Wissen um Sinn der Tätigkeit 42 % 36 % 33 %
Wenige Krankenstandstage 37 % 51 % 54 %
Konfliktkompetenz 34 % 43 % 33 %
Quelle: Hernstein Institut, Hernstein Management Report Burnout, OGM

Präventionsmaßnahmen gibt es in nur vier von zehn Betrieben

Obwohl mehr als die Hälfte der Befragten Burn-out-Fälle registriert, setzen über alle drei Länder gerechnet nur 37 Prozent aller befragten Unternehmen auf konkrete Maßnahmen zur Prävention. Der Report stellt dabei deutliche Länderunterschiede fest: In Deutschland tun dies 40 Prozent, in Österreich 46, in der Schweiz nur 24. Die Vorsorgeintensität nimmt mit steigender Unternehmensgröße zu: Bei Unternehmen bis 250 Mitarbeitern sind 18 Prozent aktiv, bei Unternehmen über 1.000 Mitarbeitern bereits die Hälfte.

Bei den Unternehmen, die bereits Maßnahmen setzen, steht die Sensibilisierung durch Schulung von Führungskräften und Mitarbeitern in Deutschland mit 58 Prozent an erster Stelle. Ein Überdenken der Arbeitsorganisation und Anerkennungsgespräche erachtet jeweils ein Drittel als wirksam. Auf „weniger Arbeit“ setzt ein knappes Fünftel.

„Viele Führungskräfte unterschätzen ihre Vorbildfunktion und die Wirkung ihres Führungsverhaltens. Burn-out-Prävention kann nur gelingen, wenn sie von den Führungskräften selbst gelebt wird“, fügt Eva-Maria Ayberk, Leiterin des Hernstein Instituts, hinzu.

Konkrete Maßnahmen zur Burn-out-Prävention in Großbetrieben

Maßnahme Deutschland Österreich Schweiz
Führungskräfte und Mitarbeiter werden zum Thema geschult 58 % 69 % 49 %
Teamprozesse werden unterstützt 48 % 36 % 25 %
Arbeitsorganisation wird überdacht 34 % 41 % 48 %
Anerkennungsgespräche werden geführt 34 % 32 % 47 %
Arbeitspensum gekürzt und Überstunden abgebaut 18 % 22 % 30 %
Quelle: Hernstein Institut, Hernstein Management Report Burnout, OGM

„Mehr als ein nettes Wohlfühlprogramm“

Laut Ayberk sind die Konzerne und Unternehmen mit den weitreichenden Folgewirkungen des Burn-out-Syndroms konfrontiert. Gleichzeitig könnten sie viel dazu beitragen, dass aus dem Risiko kein Ernstfall wird.

„Denn beim Burn-out spielen neben den persönlichen Faktoren und dem sozialen Umfeld vor allem die beruflichen Rahmenbedingungen eine bedeutende Rolle“, so Ayberk weiter. Betriebliches Gesundheitsmanagement und Burn-out-Prävention seien für Unternehmen „mehr als nette Wohlfühlprogramme“.

Wer sich nicht darauf verlassen will – egal ob sein Arbeitgeber Präventionsmaßnahmen anbietet oder nicht –, dass er schon nicht an einem Burn-out erkrankt, sollte frühzeitig vorsorgen, dass im Falle des Falles nicht noch finanzielle Probleme hinzukommen. Die gesetzliche Absicherung reicht nämlich fast nie aus, um die durch einen Burn-out verursachten Einkommenseinbußen auszugleichen.

Die gesetzliche Absicherung reicht nicht

Durchschnittlich betrug die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung, also für gesetzlich Rentenversicherte, die nur zwischen drei und unter sechs Stunden irgendeiner beruflichen Tätigkeit nachgehen konnten, im Jahr 2012 in Ostdeutschland 423 Euro und in Westdeutschland 492 Euro monatlich. Die volle Erwerbsminderungsrente, die man erhält, wenn man unter anderem nur noch weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann, belief sich in den neuen Bundesländern auf 698 Euro und in den alten Bundesländern auf 732 Euro im Monat.

Und selbst wer nur wegen einer stressbedingten Erkrankung mehrere Wochen oder Monate ausfällt, muss trotz gesetzlichem Krankengeld mit Einschnitten bei seinem Einkommen rechnen. Selbstständige, die weder gesetzlich renten- noch krankenversichert sind, droht ohne eine private Absicherung sogar fast ein Totalausfall beim Einkommen.

Es bestehen vielfältige Möglichkeiten den finanziellen Folgen vorzubeugen.

Auf Wunsch informieren erfahren Sie, wie hoch die tatsächliche gesetzliche Absicherung im Einzelfall ist und welche Vorsorgelösungen für die individuelle Situation am besten passen.

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